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Die Benchmark-Verordnung, der EURIBOR, EONIA und €STR

targit GmbH08.11.2019

Die laufende Reform von EURIBOR und EONIA im Rahmen der Benchmark-Verordnung („BMR“) wird sich nicht nur arithmetisch auf die Berechnungsmethoden auswirken, sondern ebenso auf die Geschäfts-, IT- und Rechtsprozesse für Instrumente und Institute, die diese wichtigen Zinsindizes verwenden.

 

Was bedeutet das?

Das bedeutet laut den neuen Texten im BMR folgendes:  EURIBOR und EONIA stimmen nicht mehr mit der Verordnung überein und sollten zumindest nicht für neue Verträge nach dem 1. Januar 2020 verwendet werden. Während dieses zukünftige Hindernis oberflächlich betrachtet leicht zu bewältigen ist, ist gilt es ein größeres Problem zu lösen – die bestehenden Vereinbarungen und Instrumente, die sich auf die verschiedenen Perioden des EURIBOR oder auf EONIA beziehen.

Um das Problem zu lösen und die damit verbundenen Risiken zu minimieren, hat das Europäische Geldmarktinstitut („EMMI“) eine Änderung der Berechnungsmethode und -definition für den EURIBOR vorgeschlagen. Ziel dabei ist es ihn konform zu machen und eine reibungslose Übergangszeit zu gewährleisten. Im Hinblick auf EONIA wird von der EZB ein neuer Index – „EUROpean Short-Term Rate“ (€STR) – veröffentlicht und es wird empfohlen, dass die Marktteilnehmer EONIA schrittweise durch den €STR für alle Produkte und Verträge ersetzen.

 

Was sind die wichtigsten Änderungen?

  • Erstens die angewandten Berechnungsmethoden – vom beitragsbasiert (d.h. Quotierungen) zum transaktionsbasierten Ansatz für alle Perioden. In diesem Zusammenhang hat das EMMI eine hybride Methodik entwickelt, die so weit wie möglich auf realen Daten basiert und sie mit Daten aus anderen Quellen anreichert, für die keine realen Zahlen verfügbar sind.

 

  • Zweitens die Perioden- EURIBOR wird nur für die folgende Perioden berechnet und veröffentlicht:
  • Eine Woche (1W),
  • Ein Monat (1M),
  • Drei Monate (3M),
  • Sechs Monate (6M) und
  • Zwölf Monate (12M).

 

  • Drittens die Beitragszahler – der konzeptionelle Begriff „Prime Bank“ ist verschwunden und der vom EMMI EURIBOR berechnete und ausgeschüttete Betrag wird folgendes darstellen „….den Zinssatz, zu dem Großhandelsmittel in EURO von Kreditinstituten in den EU- und EFTA-Ländern auf dem unbesicherten Geldmarkt beschafft werden könnten“.

 

  • Viertens und wahrscheinlich die wichtigste Änderung von allen – die Bewegung im Kurstag des EURIBOR von T+2 auf T+1. Das heißt, die Kurse des Vortages werden neu veröffentlicht und als EURIBOR-Sätze für diesen Tag verwendet. Das bedeutet konkret: es gibt eine „Intraday-Refixing-Politik“ für den Fall, dass Fehler auftreten.

 

Welche Auswirkungen auf die Branche sind zu erwarten?

Die Auswirkungen lassen sich in zwei große Gruppen unterteilen – rechtliche und operative. Beide Themen lassen sich in mehrere Unterthemen zerlegen und erfordern viel Aufwand und Zeit.

So werden beispielsweise die Änderung der bestehenden Verträge und die Erstellung neuer Vorlagen in erster Linie die Rechtsabteilungen der Institutionen betreffen. Der Kommunikations- und Verhandlungsprozess mit Partnern und Kunden hingegen, wird eine Aufgabe für die Relationship Officers sein. Gleichzeitig werden die entsprechenden Änderungen in den IT-Systemen, den internen Methoden und Verfahren zur Überwachung der Preisgestaltung, sowie eine Neubewertung usw. erforderlich sein.

 

Wann wird es passieren?

Der aktuelle Zeitplan sieht vor, dass im zweiten Quartal 2019 der „neue“ EURIBOR auf der Grundlage der Hybridmethode des EMMI beginnt. Die erste Veröffentlichung des EURSTR wird am 2. Oktober 2019 erwartet, was die Handelsaktivitäten vom 1. Oktober 2019 widerspiegelt. Allerdings diskutieren die Behörden derzeit gemeinsam mit der Industrie, das Ende dieser EONIA- und EURIBOR-Sätze um ein oder zwei Jahre zu verschieben. Die endgültige Entscheidung sollte vor Ende 2019 vorliegen.